Ein Kredit kann ein wertvolles Werkzeug sein, um Träume zu verwirklichen – sei es das eigene Zuhause, ein neues Auto oder eine wichtige Weiterbildung. Doch der Weg zur passenden Finanzierung ist voller potenzieller Fallstricke. Ein kleiner Fehler aus Unwissenheit oder Eile kann dich über die Jahre Tausende von Euro kosten und zu einer erheblichen finanziellen Belastung werden.

Damit du sicher und gut informiert deine Entscheidung treffen kannst, haben wir als dein persönlicher Finanz-Coach diesen Ratgeber erstellt. Wir zeigen dir die 7 häufigsten und teuersten Fehler bei der Kreditaufnahme – von versteckten Kosten bis zu falschen Laufzeiten – und erklären dir detailliert, wie du diese von Anfang an vermeidest und worauf du bei der Kreditaufnahme achten musst.
Das Wichtigste in Kürze:
- – Angebote vergleichen ist der wichtigste Schritt, um Geld zu sparen.
- – Achte immer nur auf den Effektivzins, da er alle Kosten beinhaltet.
- – Wähle eine leistbare Monatsrate, die dir finanziellen Spielraum lässt.
- – Lies das Kleingedruckte zu Sondertilgungen und Gebühren.
1. Fehler: Das erste Angebot blind annehmen
Viele Menschen fragen aus Bequemlichkeit nur bei ihrer Hausbank an. Das kann ein teurer Fehler sein. Die Konditionen für Kredite unterscheiden sich von Bank zu Bank erheblich. Schon ein kleiner Unterschied im Zinssatz von 0,5 % kann bei einer langen Laufzeit eine Ersparnis von mehreren Tausend Euro bedeuten.
Die Lösung: Nutze unbedingt einen Kreditvergleich und hole dir mindestens zwei bis drei unabhängige und unverbindliche Angebote von verschiedenen Banken ein.
2. Fehler: Nur auf den Sollzins schauen
In der Werbung wird oft mit einem besonders niedrigen “Sollzins” gelockt. Dieser Zins bezieht sich jedoch nur auf die reine Kreditsumme. Alle zusätzlichen Kosten wie Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsgebühren oder sonstige Spesen sind hier nicht enthalten.
Die Lösung: Ignoriere den Sollzins und vergleiche ausschließlich den Effektivzins! Nur dieser gesetzlich vorgeschriebene Wert gibt die jährlichen Gesamtkosten des Kredits in Prozent an und macht verschiedene Angebote wirklich miteinander vergleichbar.

3. Fehler: Die eigene finanzielle Situation beschönigen
Um eine möglichst hohe Kreditsumme zu erhalten, rechnen manche ihre Einnahmen schön oder vergessen “unangenehme” Ausgaben. Das ist extrem gefährlich. Eine zu hohe Monatsrate, die auf einer unrealistischen Haushaltsrechnung basiert, kann dich schnell in finanzielle Schwierigkeiten bringen.
Die Lösung: Sei bei deiner Haushaltsrechnung (Einnahmen minus Ausgaben) absolut ehrlich zu dir selbst und plane immer einen finanziellen Puffer für unvorhergesehene Ereignisse wie Reparaturen oder eine Jobunsicherheit ein.
4. Fehler: Eine zu kurze Laufzeit wählen
Der Wunsch, schnell wieder schuldenfrei zu sein, ist verständlich. Eine zu kurz gewählte Laufzeit führt jedoch zu sehr hohen Monatsraten, die kaum noch Spielraum im Budget lassen.
Die Lösung: Wähle eine Laufzeit, bei der die monatliche Rate bequem leistbar ist und du weiterhin Geld für andere Dinge oder zum Sparen übrig hast. Eine längere Laufzeit bedeutet zwar absolut gesehen mehr Zinskosten, schützt dich aber vor finanziellem Stress im Alltag.
“Ein häufig übersehener Fehler ist die mangelnde Flexibilität im Vertrag. Ein gutes Kreditangebot sollte immer kostenlose Sondertilgungen ermöglichen. So kann man bei unerwarteten Geldeingängen, wie einer Prämie oder einem kleinen Erbe, den Kredit schneller zurückzahlen und Zinskosten sparen, ohne die monatliche Rate zu strapazieren.” – Mag. Julia Wagner, Finanzierungsexpertin
5. Fehler: Das Kleingedruckte ignorieren
Ein Kreditvertrag ist lang und kompliziert – doch ihn ungelesen zu unterschreiben, ist fahrlässig. Im Kleingedruckten verstecken sich oft wichtige Klauseln.
Die Lösung: Lies den Vertrag sorgfältig und achte besonders auf diese Punkte:
- Sondertilgungen: Darfst du zusätzliche Zahlungen leisten, um den Kredit schneller abzubezahlen, und wenn ja, sind diese kostenlos?
- Vorfälligkeitsentschädigung: Wie hoch sind die Gebühren, wenn du den Kredit vorzeitig komplett zurückzahlen möchtest?
- Zinsanpassungsklauseln: Bei variablen Zinsen – wie und wann wird der Zinssatz angepasst?
6. Fehler: Unnötige Versicherungen abschließen
Banken bieten oft aktiv eine sogenannte Restschuldversicherung (auch Kreditausfallversicherung) an. Diese kann sinnvoll sein, ist aber oft teuer und nicht immer notwendig.
Die Lösung: Prüfe kritisch, ob du diesen Schutz wirklich brauchst. Wenn du bereits eine Risikolebensversicherung hast, bist du möglicherweise schon ausreichend abgesichert. Vergleiche zudem immer die Angebote auf dem freien Markt, da die Versicherungsprodukte der Banken oft teurer sind.
7. Fehler: Die eigene Bonität nicht kennen
Die Zinsen, die dir eine Bank anbietet, sind fast immer von deiner persönlichen Kreditwürdigkeit (Bonität) abhängig. Negative oder falsche Einträge können deinen Kredit unnötig verteuern.
Die Lösung: Informiere dich über deine Bonität, bevor du einen Kredit anfragst. In Österreich kannst du beim KSV (Kreditschutzverband von 1870) eine kostenlose Selbstauskunft anfordern. So kannst du deine Daten auf Richtigkeit überprüfen und eventuelle Fehler korrigieren lassen.
Tipp: Unverbindliche Kreditanfrage statt fixer Anfrage
Wenn du Angebote vergleichst, achte darauf, dass die Bank nur eine “Konditionsanfrage” stellt. Diese ist neutral und beeinflusst deinen Bonitäts-Score nicht. Eine “Kreditanfrage” hingegen ist eine fixe Anfrage, die vermerkt wird. Zu viele fixe Anfragen in kurzer Zeit können von Auskunfteien als negatives Signal gewertet werden und deine Bonität verschlechtern.
Fazit: Vorbereitung ist der beste Schutz vor Kreditfallen
Ein Kredit ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung. Nimm dir daher ausreichend Zeit für die Vorbereitung, sei ehrlich zu dir selbst bei der Budgetplanung und vergleiche die Angebote bis ins kleinste Detail. Indem du die hier genannten häufigen Fehler bei der Kreditaufnahme vermeidest, stellst du sicher, dass deine Finanzierung zu einer sicheren Basis für deine Zukunftspläne wird und nicht zu einer Quelle von Stress und Sorgen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der reine Zinssatz für das geliehene Geld. Der Effektivzins ist der entscheidende Wert: Er beinhaltet neben dem Sollzins auch alle weiteren Kosten und Gebühren des Kredits (z.B. Bearbeitungsgebühren). Nur der Effektivzins macht Angebote wirklich vergleichbar.
Kann ich einen Kredit vorzeitig zurückzahlen?
Ja, das ist grundsätzlich immer möglich. Allerdings kann die Bank dafür eine Gebühr verlangen, die sogenannte “Vorfälligkeitsentschädigung”. Bei Konsumkrediten ist diese in Österreich gesetzlich auf maximal 1 % der vorzeitig zurückgezahlten Summe begrenzt.
Verbessert eine pünktliche Rückzahlung meine Bonität?
Ja, absolut. Jeder Kredit, den du vertragsgemäß und pünktlich zurückzahlst, ist ein positives Merkmal und verbessert deine Kreditwürdigkeit (Bonität) für zukünftige Anfragen.